Gemeinschaftswanderfahrt des HRC und ÜRC: Weser

Weser für Genießer

Einer Sage nach war die Entstehung des Weserberglands ein Versehen, als einst Riesen durchs Land zogen und Felsbrocken verloren. Diesem Versehen verdanken wir eine besonders schöne und abwechslungsreiche dreitägige Tour von Hannoversch Münden nach Hameln, organisiert durch unsere Hildesheimer Ruderfreunde für die traditionelle Wanderfahrt an Chr. Himmelfahrt. Fünf Hildesheimer brachten drei Wanderruderboote mit und übernahmen auch weitgehendst den Landdienst. Die 12-köpfige Bodenseegruppe, neun aus Überlingen, eine Ruderin aus Friedrichshafen und ein Paar aus Arbon, hatte eine lange Anreise zur Dreiflüssestadt Hannoversch Münden. Das Fachwerkjuwel empfing uns bei strömenden Regen. Trotzdem bummelten alle durch die Altstadt und kehrten danach im Ratsbrauhaus ein, wo das Dr. Eisenbart-Bier gebraut wird. Auf dem Rückweg zur Jugendherberge standen wir am Weserstein und lasen die Inschrift von 1899: "WO WERRA UND FULDA SICH KÜSSEN, SIE IHRE NAMEN BÜSSEN MÜSSEN, UND HIER ENTSTEHT DURCH DIESEN KUSS, DEUTSCH BIS ZUM MEER DER WESER FLUSS".

Harmonie in Grün

Als es am 1. Rudertag ans Aufriggern ging, war der Himmel grau und es nieselte. Nach den heftigen Regenfällen des Vortags war die Weser um einen Meter gestiegen und die Fließgeschwindigkeit betrug ca. 6 km. Da ging es schnell voran! Die freifließende Oberweser – eingerahmt vom Weserbergland – schlängelt sich durch sattgrüne Wiesen und trennt Hessen von Niedersachsen. Kilometerlang erfreuten wir uns an der grünen Idylle, in der hin und wieder Schafe und Kühe weideten. Im Örtchen Gieselwerder wärmten wir uns bei Kaffee und Tee auf, während die Boote an einem der vielen praktischen Anlegestege im Wasser lagen. Auf der Weiterfahrt passierten wir den Kurort Bad Karlshafen. Begegnungen mit Ausflugsschiffen blieben zum Glück aus, dafür überraschte uns ein seltenes Frachtschiff, das nur bei hohem Wasserstand fahren kann und uns heftige Wellen bescherte! Nahe der Seilfähre von Würgassen war die erste Etappe zu Ende. Nach einer gemütlichen Kaffeerunde wanderten wir zum neuen Weser-Skywalk, der über den markanten Felspartien der Hannoverschen Klippen einen herrlichen Blick auf die Weserlandschaft bietet. Das feine Abendessen in der Gaststätte Linde, wo wir auch übernachteten, tat jedem gut, der Absacker danach ebenso.

Kulturlandschaft

Der 2. Rudertag begann mit Sonnenschein. Nach wie vor ruderten wir durch eine reizvolle Landschaft mit vorbeiziehenden Wolken, die sich im Wasser spiegelten. Auf den Weiden grasten Pferde, am Ufer standen Nilgänse und Graureiher und über uns kreisten Bussarde. Am Dreiländereck Beverungen grenzen Hessen, Niedersachsen und Nordrheinwestfalen aneinander. Nach der Schlossanlage der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, die hoch oben thront, fuhren wir an der alten Hansestadt Höxter vorbei. Wenige Kilometer danach kam im Weserbogen Schloss Corvey in Sicht, einst eine mächtige Reichsabtei. Bevor wir bei Holzminden für eine kurze Mittagsrast anlegten, begegneten uns Ausflugsschiffe und Motorboote. Nach weiteren Flussbiegungen ging es vorbei an der Burgruine Polle, die von weither sichtbar über der Weser steht und wacht. Danach passierten wir eine der vielen Seilfähren, die Fußgänger, Radfahrer und Autos von einem Ufer zum anderen bringt, da es weit und breit keine Brücke gibt. Kurz vor dem Anlegen in Brevörde kam ein Ausflugsschiff entgegen und zwang einen unserer Vierer zum Weiterfahren, ehe er wenden konnte. Die wenigen Hundert Meter zurück flussaufwärts waren bei der hohen Fließgeschwindigkeit richtig anstrengend! Wir verteilten uns auf unsere Unterkünfte und hatten noch genügend Zeit nach Polle zu gehen. Manche besichtigten die Burgruine, Heimat von Aschenputtel, anderen war das erste Bier des Tages mit Weserblick wichtiger und einige fuhren mit der Seilfähre hin und her. Zurück im Gasthaus Brandt in Brevörde erwarteten uns große Portionen Spargel und Schnitzel und danach ein Dessert.

Natur und Zivilisation

Am 3. Rudertag strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Auf der letzten und kürzesten Etappe änderte sich langsam das Bild um uns herum. Orte und Fabriken kamen vermehrt in Sicht, die Weserkurven wurden weniger und die Zivilisation mit Eisenbahn, Brücken und Straßen holte uns wieder ein. Beim Ruderverein Bodenwerder legten wir kurz an, doch ein Besuch beim Baron von Münchhausen in Bodenwerder war zeitlich nicht drin. Auf der letzten Etappe passierten wir Schloss Hehlen und später das stillgelegte Kernkraftwerk Grohnde. Wenige Kilometer nach der Mündung der Emmer in die Weser nahmen wir beim Hamelner Ruderverein die Boote aus dem Wasser. Mit vereinten Kräften waren die Boote schnell abgeriggert und verladen, und ab ging es nach Hildesheim.

Zu Gast bei Freunden

In Hildesheim angekommen, belegten wir den Gästetrakt im Clubhaus und genossen auf der sonnigen Terrasse Kaffee und Kuchen. Damit die Kultur nicht zu kurz kam, lud uns Fahrtenleiter Wolf-Henning zu einem Rundgang durch die Hildesheimer Altstadt ein mit Marktplatz, einigen Kirchen und einem schmucken Fachwerkviertel. Der berühmte Dom mit dem 1000-jährigen Rosenstock war leider noch wegen Restaurierung geschlossen, die mächtige Michaeliskirche, die zusammen mit dem Dom zum Weltkulturerbe zählt, war einen Besuch wert. Zum Grillabend im Freien mit Steak, Würsten und leckeren Salaten gesellten sich einige Hildesheimer Ruderer dazu, die bei früheren Gemeinschaftsfahrten dabei waren. Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntagmorgen hieß es Abschied nehmen und zurück an den Bodensee.

Ilse Wagner

Überlinger Ruderclub

 

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