All You Can Row

Seit etwa 5 Jahren findet immer am längsten Samstag im Jahr auf dem Rhein ein ganz besonderer Wettbewerb statt. Dieser Wettbewerb heißt All You Can Row und wird vom Karlsruher Rheinklub Alemannia ausgerichtet. Das Besondere daran ist, dass es kein definiertes Ziel gibt, lediglich der Startort (Karlsruher Hafen), die Startzeit 5:21h (Sonnenaufgang) und in etwa die Endzeit 21:36h (Sonnenuntergang) sind definiert. Wobei die Endzeit von mehreren Teams etwas flexibler gehandhabt wurde.

Beim Anrudern in Sehnde 2017 haben Rüdiger Halupczok aus Sehnde und Berthold Vogel die Idee gehabt an dem Wettbewerb teilzunehmen. Prompt wurden weitere Aktivisten gesucht und gefunden. So wollten Dirk Hülsmeier und Markus Königshofen ebenfalls mitrudern und alle vier haben sich zunächst für einen Dreier mit Steuermann angemeldet. Die Boote werden bei dem Wettbewerb netterweise vom Veranstalter gestellt und auch zurücktransportiert. Kurz vorm Starttermin fragte der Veranstalter an, ob wir auch bereit wären mit Bärbel Arnold aus Sehnde zusammen in einem Vierer mit Steuermann zu rudern und so kam es, dass wir mit dem gut ausgerüsteten Boot des Karlsruher Rudervereins mit dem passenden Namen „Rhein“ gemeinsam am 24.6.17 um 5:21h im Karlsruher Hafen starteten.

Wir alle waren beim Start sehr müde, denn auf einer Luma mit 30 anderen in einem Raum schläft man nicht gerade ruhig und bequem. Erschwerend kam das Wecken um 4h morgens dazu, damit alle den Saal für das gemeinsame Frühstück räumen. Der Veranstalter sorgte nicht nur für die Boote sondern auch für die Abendverpflegung, die Frühstücke und ein Proviantpaket sowie Wasser für die lange Bootsfahrt. Das alles war sehr gut organisiert.

Mit unserem Boot „Rhein“, das den GPS-Tracker „06“ mitbekam, starteten wir gemeinsam mit den anderen 22 Booten und 102 Teilnehmern/innen auf die große Fahrt mit Niedrigwasser, viel Sonne und oft starkem Gegenwind. Auf einem Livetracker im Internet (www.rheinklub-alemannia.de/allyoucanrow) kann man erkennen, wie das Bootsfeld sich über den Tag auf dem Rhein verteilt. Rüdiger sorgte als Obmann dafür, dass wir alle ca. 45 Minuten den Steuermann wechselten und dazu nutzten wir auch vier kurze Landgänge. (In Speyer, Ludwigshafen, auf dem Kühlkopf und in Mainz-Weisenau) Das Steuern und Rudern auf dem Rhein bis Mannheim war sehr angenehm. Es gab kaum Schiffe die dort auf dem Rhein unterwegs waren und wir konnten immer die Strommitte nutzen um schnell vorwärts zu kommen. In Mannheim waren dann links und rechts Spundwände, hier ruderten wir so schnell wie möglich in Ufernähe entlang von BASF durch, um gefährliche Kreuzwellen zu meiden. Ab Worms wurde es dann unangenehm auf dem Rhein. Die Sonne schien perfekt, was gefühlt hunderte Motorboot- und Jetskifahrer dazu veranlasste mit Vollgas und hohen kurzen Wellen an den Ruderbooten vorbeizufahren. Ständig mußten wir darauf achten nicht abzusaufen und den Wellen geschickt auszuweichen. Da aber erfahrene Steuerleute im Boot saßen, wurde nur minimal Wasser übernommen, was die von Rüdiger eingebauten Lenzpumpen problemlos dem Rhein zurückgaben. Neben den Wellen nervte auch der Motorenlärm und das ging von Worms bis Mainz ohne Pause so weiter.

Als wir losfuhren war unser grobes Ziel noch die Loreley (St. Goar), je weiter die Zeit Fortschritt und unsere Leiden stärker wurden, siegte die Vernunft und wir beschlossen gemeinsam beim Ziel-Ruderklub in Mainz, wo es auch ein Abendessen sowie Frühstück gab, die Fahrt zu beenden. Wie Dirk richtigerweise bemerkte, war das unsere weiseste Entscheidung. Wir erreichten sichtlich erschöpft als erstes Boot um ca. 18:30h nach 13 Stunden Fahrt, also 3 Stunden vor dem Ende der Regatta, das Mainzer Bootshaus (ca. 148km Fahrstrecke). Es fiel uns nach der Strapaze schwer, das schwere Boot alleine die 10m Treppe zum Bootshaus hoch zu tragen. Die bis in die Nacht nachfolgenden Boote hatten es da einfacher, da gab es immer viele Ruderer, die beim Tragen halfen. Durch die vorzeitige Beendung des Wettbewerbes hatte unsere Mannschaft aber deutlich weniger körperliche Probleme als andere Mannschaften. Es gab Rudermannschaften, die es bis nach Neuwied (251km), Lahnstein (229km), St. Goar (200km), Bacharach (186km) und Bingen (172km) schafften.

Alles in allem war diese Herausforderung für uns alle ein tolles Erlebnis. An diesem einen Tag wurden von den 102 Ruderern/innen aller Altersklassen 17.031 Mannschaftskilometer errudert.

Markus Königshofen

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